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Der Venusdurchgang von 1639

Für den nächsten möglichen Durchgang der Venus am 4. Dezember 1639 ergaben die Berechnungen Keplers mit ihrer zu großen Parallaxenkorrektur, dass Venus die Sonnenscheibe knapp verfehlen sollte.

Jedoch der junge talentierte Jeremiah Horrox (auch: "Horrocks"), geboren 1619 in Toxteth bei Liverpool und nach seinen Studien in Cambridge in Hoole bei Liverpool in kirchlichen Diensten tätig, berechnete aus den Tafeln des belgischen Astronomen Philip van Landsberge (1561-1632, Biographie) und eigenen Venusbeobachtungen, dass an diesem Tag ein Venustransit stattfindet. Da seine Berechnungen erst kurz vor dem erwarteten Ereignis beendet waren, konnte er sie nur seinem in Toxteth wohnenden Bruder Jonas und und seinem Freund William Crabtree in Salford bei Manchester per Brief mitteilen:

The reason why I am writing to you now is to inform you of the extraordinary conjunction of the Sun and Venus which will occur on November 24 (nach altem Julianischen Kalender). At which time Venus will pass across the Sun. Which, indeed, has never happened for many years in the past nor will happen again in this century I beseech you therefore, with all my strength, to attend to it diligently with a telescope and to make whatever observation you can, especially about the diameter of Venus, which indeed is 7' according to Kepler, 11' according to Lansberge, and scarcely more than 1' according to my proportion.
Albert van Helden, Measuring the Universe: Cosmic Dimensions from Aristarchus to Halley (Chicago and London: University of Chigaco Press, 1985), p.107, hier zitiert nach [6].

Horrox projizierte mit seinem kleinen Fernrohr das Sonnenbild auf einen Schirm, der hinter dem Okular befestigt war. Sein Sonnenbild maß 6 Zoll im Durchmesser (ca. 15 cm). Und es gelang ihm, in die Venus kurze Zeit vor Sonnenuntergang vor der Sonnenscheibe zu sehen.

Diese Abbildungen der Sichtbarkeitsgebiete werden mit freundlicher Genehmigung von Antonius Schrode, Frankfurt/M. wiedergegeben. Auf seiner Website finden Sie u.a. einen Beitrag über die Grundlagen und Geschichte der Merkur- und Venusdurchgänge sowie ein umfangreiches Angebot astronomischer Software für Windows (teilweise auch zum kostenlosen Herunterladen).

Horrox schreibt:

In the second place, the distance between the centres of Venus and the Sun I found, by three observations, to be as follows:

At 3.15 by the clock ........ 14'24''
At 3.35 by the clock ........ 13'30''
At 3.45 by the clock ........ 13'0''
At 3.50 the apparent sunset

Als Koordinaten seines Beobachtungsortes Hoole, etwa 15 Meilen nördlich von Liverpool nennt Horrox 53°35' N und 14°15' westlich von Uraniborg in Dänemark, dem Observatorium Tycho Brahes. Mit den heutigen Werte (53.201° N und 2.861° W) berechnet man für den Sonnenuntergang 15:54 UT.


4. Dezember 1639, 15:35 UT, Sonnenhöhe 1°37' (Starry Night)

Horrox hielt seine Beobachtungen in der Schrift "Venus in sole visa" fest ("Venus in der Sonne gesehen"). Sein plötzlicher Tod im Jahre 1641 im Alter von 22 Jahren und auch der von Crabtree 1644 verhinderten die Veröffentlichung der ersten Beobachtung eines Venusdurchgangs.

Erst Johannes Hevelius hat 1662 als Anhang seiner Schrift "Mercurius in sole visus" auch die Beobachtung des Venusdurchgangs von Horrox veröffentlicht. Von Rev. A.B. Whatton wurde sie 1859 ins Englische übersetzt. Seit 1875 ehrt Horrox eine Gedenktafel in der Londoner Westminsterabtei.

Hier eine längere Passage aus Horroxs eindrucksvollem Bericht.

Jonas Horrox, der Bruder, hat den Venusdurchgang nicht beobachtet oder keinen Bericht hinterlassen. Crabtree hatte wegen dichter Bewölkung seine Hoffnungen schon aufgegeben, als sich kurz vor Sonnenuntergang einen Wolkenlücke auftat. Er fertigte eine Zeichnung des projizierten Bildes an, aus der sich der Venusdurchmesser zu 1'3'' in guter Übereinstimmung mit Horroxs Wert von 1'12'' ergab. Im Rathaus von Manchester erinnert ein Wandbild an Crabtree bei der Beobachtung des Transits.

Crabtree witnessing the Transit of Venus, 1639
http://archive.aal.lu/old_site/html/en/special_en0405-00.html

Weder Horrox noch seine Zeitgenossen erkannten die Möglichkeit, aus der Beobachtung eines Transits die Sonnenparallaxe und daraus den Abstand zwischen Sonne und Erde bestimmen zu können. Diese Idee hatte Edmond Halley (1656-1762): "Methodus singularis, qua Solis parallaxis ope Veneris etc. determinari poterit", Phil. Trans. 1716.

Web Links


Jeremiah Horrocks (BBC History)

Horrocks, Jeremiah (Galileo Project)

History of Jeremiah Horrocks

Edmond Halley: Methodus singularis, qua Solis parallaxis ope Veneris etc. determinari poterit", Philosophical Transactions Vol. 29, (1714 - 1716), pp. 454-464

Edmond Halley's famous admonition of 1716

Bücher

[1] Heinrich Gretschel: Lexikon der Astronomie;
Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig 1882.

[2] Sim. Newcomb: Populäre Astronomie, deutsche Ausgabe bearb. durch R. Engelmann;
Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig 1881.

[3] Simon Newcombs Astronomie für Jedermann;
Verlag von Gustav Fischer, Jena, 2. Auflage 1910.

[4] M. Wilhelm Meyer: Das Weltgebäude, Eine gemeinverständliche Himmelskunde;
Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1898.

[5] Rudolf Wolf: Geschichte der Astronomie;
Druck und Verlag von R. Oldenbourg, München 1877.

[6] Michael Maunder, Patrick Moore: Transit - When Planets cross the Sun;
Springer-Verlag London Limited 2000; ISBN 1-85333-621-8.

[7] Eli Maor: June 8, 2004, Venus in Transit;
Princeton University Press, Princeton 2000; ISBN 0-691-04874-6.


29. 04. 2012