Venus Transit
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Englischer Text

Jeremiah Horrox: Venus in sole visa

1859 in Englische übersetzt von A. B. Whatton

Zitiert nach: M. Maunder, P. Moore: Transit - When Planets cross the Sun;
Springer-Verlag London Limited 2000; ISBN 1-85333-621-8.

   Die Möglichkeit eines bewölkten Himmels bereitete mir große Sorge; da Jupiter und Merkur fast zur selben Zeit wie Venus mit der Sonne in Konjunktion standen. Diese bemerkenswerte Anordnung der Planeten (als wenn sie darauf bedacht wären, ebenso wie wir, die Wunder des Himmels zu schauen und zur Pracht des Anblicks beizutragen) schien schwere Wetter anzukündigen. Merkur, dessen Konjunktion mit der Sonne stets Sturm und Wind erwarten läßt, war besonders zu fürchten. In dieser Befürchtung stimme ich mit der Meinung der Astrologen überein, da sie durch Erfahrung bestätigt ist; aber in anderer Hinsicht muß ich die kindischen Einbildungen verachten...

   Nachdem ich Venus aufmerksam mit meinen Instrument untersucht hatte, zeichnete ich auf ein Blatt Papier einen Kreis, dessen Durchmesser fast sechs Inches war, da die Enge meines Zimmers mir nicht erlaubte, einen größeren Durchmesser zu benutzen. Dies ließ immerhin eine genügend genaue Teilung zu. Der Bogen eines Quadranten könnte nicht genauer geteilt werden, auch nicht mit einem Radius von fünfzig Fuß, so groß wie kein Astronom ihn geteilt hat; und er ist meiner Meinung nach weit bequemer als ein großer Radius, denn obwohl er die Sonne kleiner abbildet, stellt er sie klarer und ruhiger dar.

  ... Als die Zeit der Beobachtung heranrückte, zog ich mich auf mein Zimmer zurück, und als ich die Fenster gegen das Licht abgedichtet hatte, richtete ich mein Teleskop, zuvor auf den Brennpunkt eingestellt, durch die Öffnung auf die Sonne und bekam ihre Strahlen rechtwinklig auf das erwähnte Papier. Das Sonnenbild füllte den Kreis genau aus, und ich hielt sorgfältig und unablässig nach einem schwarzen Körper Ausschau, der in die Lichtscheibe eintreten könnte.

   Doch die korrigierten Berechnungen der Venusbewegungen, die ich vorbereitet hatte und auf deren Genauigkeit ich innerlich vertraute, verboten mir, irgend etwas vor 3 Uhr am Nachmittag des 24. zu erwarten; doch da die Konjunktion nach den Berechnungen der meisten Astronomen früher stattfinden sollte, nach einigen sogar schon am 23., wollte ich nicht gänzlich von meinen eigenen Meinung abhängig sein, die nicht genügend gefestigt war, wenigstens könnte ich durch zu viel Selbstvertrauen die Beobachtung gefährden. Daher konzentrierte ich mich besorgt während der meisten Zeit am 23. und vollständig am 24. von Sonnenaufgang bis Mittag auf das Unternehmen, und um 1 Uhr nachmittags, in Abständen durch höchst wichtige Tätigkeiten abgerufen, die ich aus Anstand nicht vernachlässigen konnte. Während dieser ganzen Zeit war nichts auf der Sonne als ein kleiner gewöhnlicher Flecken, wie aus drei Punkten bestehend in einem Abstand vom Mittelpunkt nach links, den ich auch am Vortag und an den folgenden Tagen bemerkte. Dies hatte offensichtlich nichts mit Venus zu tun. Ungefähr 15 Minuten nach drei Uhr nachmittags, als ich meine Arbeiten wieder fortsetzen konnte, waren die Wolken, wie durch göttliche Einwirkung, gänzlich aufgelöst, und ich war wiederum zu der geschätzten Aufgabe aufgefordert, meine Beobachtungen zu wiederholen. Und dann wurde ich eines höchst angenehmen Schauspiels gewahr, das Objekt meiner innigsten Wünsche, ein Fleck von ungewöhnlicher Größe und von vollkommen kreisförmiger Gestalt, der links schon ganz in die Sonnenscheibe eingetreten war, so daß die Ränder von Venus und Sonne genau zusammenfielen und einen Kontaktwinkel bildeten. Da es keinen Zweifel gab, daß dies wirklich der Schatten des Planeten war, widmete ich mich sofort der Beobachtung.

  Erstens fand ich hinsichtlich der Neigung, mit der Linie des Durchmessers senkrecht zum Horizont, obwohl ihr Verlauf wegen der Sonnenhöhe etwas geneigt war, daß der Schatten der Venus zur vorausberechneten Stunde, nämlich fünfzehn Minuten nach drei, bei ungefähr 62° 30', mit Sicherheit zwischen 60° und 65°, von oben nach rechts in die Sonnenscheibe eingetreten war. Dies war das Erscheinungsbild in dem dunklen Zimmer; daher wäre draußen unter freiem Himmel, nach den Gesetzen der Optik, das Entgegengesetzte der Fall, und Venus befände sich unterhalb des Sonnenmittelpunktes 62° 30' vom unteren Rand oder von Nadir, wie die Araber es nennen. Die Neigung blieb nach allem Anschein dieselbe bis zum Sonnenuntergang, als die Beobachtung abgeschlossen wurde.

   Zweitens, fand ich, durch drei Beobachtungen, daß der Abstand zwischen den Mittelpunkten von Venus und Sonne wie folgt ist:

Um 3.15 nach Uhr.........14'24''
Um 3.35 nach Uhr.........13'30''
Um 3.45 nach Uhr.........13'0''
Um 3.25 der scheinbare Sonnenuntergang.

Der wahre Sonnenuntergang war 3.45, und der scheinbare fünf Minuten später, wobei der Unterschied durch Brechung verursacht war. Die Uhr war deshalb genügend genau.

   Drittens, fand ich nach sorgfältiger und wiederholter Beobachtung, daß der Durchmesser der Venus, nach dem wie ihr Schatten auf dem Papier abgebildet wurde, tatsächlich größer als der dreißigste Teil des Sonnendurchmessers war, aber nicht um mehr als ein Sechstel, höchstens ein Fünftel dieses dreißigsten Teils. Demnach verhält sich der Durchmesser der Sonne zum Durchmesser der Venus wie 30' zu 1'12''. Mit Sicherheit erreicht ihr Durchmesser nicht 1'30'', kaum vielleicht 1'20'', und dies war offensichtlich ebenso als der Planet nahe dem Sonnenrand war wie bei großer Entfernung davon.

   Diese Beobachtung wurde in einem unbedeutenden Dorf gemacht, wo ich lange zu beobachten pflegte, ungefähr fünfzehn Meilen nördlich von Liverpool, dessen Breite ich für 32° 20' halte, obwohl sie in den üblichen Karten mit 54° 12' festgestellt wird, daher wird die Breite des Dorfes 53° 35' betragen, und die Länge 22° 30' von den Fortunate Islands, jetzt Kanarische Inseln genannt. Dies ist 14° 15' westlich von Uraniburg in Dänemark, dessen Länge von Brahe, dort beheimatet, mit 36° 45' von diesen Inseln festgestellt wurde.

   Dies ist alles was ich hinsichtlich dieser berühmten Konjunktion beobachten konnte, während der kurzen Zeit, in der die Sonne über dem Horizont blieb. Denn obwohl Venus einige weitere Stunden auf der Sonnenscheibe blieb, war sie für mich wegen ihres schnellen Untergangs nicht länger als eine halbe Stunde sichtbar. Dennoch, mit allen Beobachtungen, die in so kurzer Zeit möglich wären, war ich in der Lage, durch Göttliche Vorsehung, sie so erfolgreich zum Abschluß zu bringen wie ich es kaum für eine längere Zeitspanne hätte wünschen können. Die Neigung war der einzige Punkt, bei dem ich scheiterte, die höchsten Präzision zu erreichen; denn, wegen der schnellen Bewegung der Sonne, war es schwierig mit einer Genauigkeit von nur einem Grad zu beobachten, und ich gestehe frei ein, daß ich sie weder erreicht habe noch erreichen konnte. Aber das Übrige ist genügend genau, und so exakt wie ich wünschen konnte.